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Inflations- und Zinssorgen: Eine Einordnung – FOMC „taubenhaft“

Der unerwartet starke Anstieg der US-Erzeugerpreise (siehe Datenpotpourri USA) verunsicherte gestern die Märkte. Diese Entwicklung ist ein Teil der Normalisierung nach dem Wirtschaftseinbruch durch den Corona-Schock per 2020, der eine deflationäre Wirkung mit sich brachte.
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Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2039 (06:06 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2023 im US-Geschäft markiert wurde.

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2039 (06:06 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2023 im US-Geschäft markiert wurde.

Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,88. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127,48. EUR-CHF oszilliert bei 1,0822.

Gestern zeigten sich insbesondere die Aktienmärkte verunsichert. Inflationssorgen induzierten Zinssorgen. Wir liefern eine faktenbasierte Einordnung.

Der unerwartet starke Anstieg der US-Erzeugerpreise (siehe Datenpotpourri USA) verunsicherte gestern die Märkte. Diese Entwicklung ist ein Teil der Normalisierung nach dem Wirtschaftseinbruch durch den Corona-Schock per 2020, der eine deflationäre Wirkung mit sich brachte. Die Erholung der globalen Wirtschaft schafft in einigen Sektoren temporär Engpässe in der Realwirtschaft (u.a. Halbleiter), die Unternehmen aktive Preispolitik erlauben. In der Folge ist absehbar, dass die Zielzonen bezüglich der Verbraucherpreise der westlichen Zentralbanken, allen voran der Fed und EZB, zeitnah erreicht werden können (um 2%).

Eine Trendwende der Zentralbankpolitik ist jedoch nicht absehbar, da die entscheidenden westlichen Zentralbanken bei der Inflationsentwicklung mittlerweile auf Durchschnittswerte und nicht auf kurz und mittelfristige Verwerfungen der Preisentwicklung reagieren werden. Mehr noch sehen Zentralbanken die aktuelle Preisentwicklung als Aufholphase gegenüber dem disinflationären/deflationären Umfeld im letzten Jahr.

In der Zins- und Ankaufpolitik der wesentlichen westlichen Zentralbanken wird absehbar weiter eine Politik der ruhigen Hand dominieren. Die Geldpolitik bleibt locker, denn im Hintergrund geht es auch darum, den Wert der Kredite durch Negativ- oder Niedrigzinsen (Realzins!) zu entwerten. Da unsere Währungen Kreditgeld sind, ist es also auch eine Entwertungspolitik (Kaufkraft) der Währungen (Debasierung).

Gleichwohl wirkt sich die Nervosität an den Finanzmärkten am Kapitalmarkt aus, denn der ist lediglich implizit durch Zentralbanken kontrolliert. Hier kommt es derzeit zu einem Anstieg der Renditen (z.B. 10 Jahres Bund). Diese Tendenz ist grundsätzlich Ausdruck der Gesundung der Weltwirtschaft (Unternehmen) bezüglich quantitativer Kriterien, also Ausdruck unterliegender quantitativer Stärke, die zu Steigerungen der Gewinne der Unternehmen führen (Skaleneffekte). Ist das schlecht für Aktienmärkte?

Die Tendenz steigender Renditen ist nicht abgeschlossen. Die Zinskurven werden steiler. Das stellt eine Normalisierung dar, denn die Situation zuvor war die Anomalie.

FOMC Protokoll: „Taubenhaft“

Hinsichtlich der Lage am US-Arbeitsmarkt sieht sich die Fed weiter in der Pflicht, unterstützend zu wirken. Man sei noch weit von den Zielen der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität entfernt. Die monatlichen Wertpapierkäufe im Volumen von 120 Mrd. USD würden fortgesetzt. Sie würden reduziert, wenn sich die Lage am Jobmarkt durchgreifend verbesserte und die Inflation das gewünschte Niveau erreichte. Die Mehrheit im Offenmarktausschuss erwartet, dass das noch Zeit dauern würde.

Das deckt sich mit unserer Erwartung. Begriffe wie „durchgreifend verändert“ sind nicht definiert. Die Definition liegt solitär bei den Verantwortlichen der US-Notenbank. Das eröffnet Spielräume für längere Laxheit der Zins- und Geldpolitik.

Mehrere Fed-Führungsmitglieder machten deutlich, dass die Fed eine Veränderung des Tempos der Käufe mit einem deutlichen zeitlichen Vorlauf ankündigen müsse. Hier finden wir den Vollkaskoansatz für die Marktteilnehmer. Schnelle Lastwechsel sind in der Notenbank Politik nur in der Entspannung, aber nicht in der Verschärfung seit Greenspan auf der Agenda.

US-Notenbankchef Powell hatte zuletzt wegen der kritischen Lage am US-Arbeitsmarkt eine nationale Anstrengung zur Überwindung der Krise gefordert. Derzeit seien die USA mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 6,3% (U-6 bei 11%, Vergleichbarkeit zu Daten der Eurozone) sehr weit entfernt von einem starken Arbeitsmarkt. An einen Entzug der geldpolitischen Unterstützung sei nicht zu denken. So ist es, denn die Verantwortlichen in der Fed wissen, dass die Quote U-6 (bei 11%) Realitäten spiegelt, nicht die Quote U-1, die aber fraglos gut für das US-Marketing ist.

Den Oberen in der Notenbank und in Washington ist vollständig bewusst, dass die Stärke der US-Konjunkturdaten (schwache Strukturdaten) mit Defiziten gekauftes Wachstum ist. Mit selbsttragenden Kräften hat das in den USA wenig zu tun. Genau diese selbstragenden Kräfte (wiederkehrende Einkommen als Basis des Konsums) sind erforderlich, um erhöhte Zinsniveaus in der Wirtschaft zu ertragen. Das wird dauern!

Taubenhaft argumentierte der Chef der Federal Reserve von Boston, Eric Rosengren, gestern auf einem Online-Symposium bezüglich des Inflationsziels. Seiner Meinung nach würde das bei circa 2% angesiedelte Ziel voraussichtlich weder in den Jahren 2021 noch 2022 nachhaltig erreicht.

Diese Einlassungen reichten den Märkten trotz aller Eindeutigkeit nicht. Man pflegt die Nervosität. Das ist vielleicht auch gut so, da Konsolidierungen an Finanzmärkten helfen, nachhaltige Bewertungen zu forcieren.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Schwache Bauleistung, NL mit positivem Akzent

Die Bauleistung sank per Dezember im Monatsvergleich stark um 3,67% nach zuvor +1,41%.

In den Niederlanden stellte sich die Arbeitslosenrate per Berichtsmonat Januar auf 3,6% nach zuvor 3,9%.

Der Index des Verbrauchervertrauens verharrte in den Niederlanden per Februar unverändert bei -19 Punkten.

USA: Starke Daten und anziehende Erzeugerpreise

Die Erzeugerpreise legten per Januar im Monatsvergleich um 1,3% (Prognose 0,4%) nach zuvor 0,3% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,7% (Prognose 0,9%) nach zuvor 0,8%.

Die Einzelhandelsumsätze nahmen per Januar im Monatsvergleich dynamisch um 5,3% (Prognose 1,1%) nach zuvor -1,0% (revidiert von -0,7%) zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 7,43% nach zuvor 2,53% (revidiert von 2,90%).

Die Industrieproduktion zog per Berichtsmonat Januar im Monatsvergleich um 0,9% (Prognose 0,5%) nach zuvor 1,3% (revidiert von 1,6%) an. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 1,82% nach zuvor -3,15% (revidiert von -3,58%).

Die Kapazitätsauslastung stellte sich per Januar auf 75,6% (Prognose 74,8%) nach zuvor 74,9% (revidiert von 74,5%) und markierte das höchste Niveau seit Februar 2020 (77,0%).

Die Lagerbestände nahmen per Dezember im Monatsvergleich um 0,6% (Prognose 0,5%) nach zuvor 0,5% zu.

Der NAHB Housing Market Index stieg per Berichtsmonat Februar von zuvor 83 auf 84 Punkte (Prognose 83) und oszilliert weiter auf einem historisch hohen Niveau.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Positionierung EUR/USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.2200 – 1.1910 eröffnet neue Opportunitäten.

©Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH

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